Frauen verdienen weniger als Männer! Aber stimmt das?

Ein aktuelles Interview mit Ingelore Welpe vom Institut für Frauenforschung und Gender-Studien in Kiel auf sueddeutsche.de gibt den Anlass, hier Gehaltsunterschiede zwischen den Geschlechtern zu thematisieren. Da dazu immer wieder Studien veröffentlicht werden, wird uns das Thema sicher noch öfter beschäftigen.

Folgende Gründe für durchschnittliche Gehaltsunterschiede werden in diesem Interview angeführt:

  • Falsche Einschätzung der Produktivität der Frauen durch die Arbeitgeber.
  • Frauen arbeiten öfters in Teilzeit als Männer.
  • Frauen wählen Berufe und Branchen mit traditionell geringer Vergütung.
  • Männliche Erwerbsbiographien lassen sich für Arbeitgeber leichter kalkulieren, so dass Männer eher eingestellt werden als Frauen.
  • Frauen verhalten sich in Gehaltsverhandlungen ungeschickt.

Es zeigt sich also, dass die Gründe für Gehaltsunterschiede nicht einseitig verteilt sind – schon gar nicht lässt sich daraus konstruieren, dass Männer die Schuld für eine niedrigere durchschnittliche Entlohnung der Frauen tragen. So werden körperlich anstrengende Tätigkeiten oft mit einem höheren Lohn vergütet, aber eben auch in der Mehrzahl von Männern ausgeführt.

Außerdem wählen zu viele Frauen trotz ihrer gleichwertigen Schulbildung lieber typische Frauenberufe, die gering vergütet werden und reine Hilfstätigkeiten ohne Aufstiegschancen darstellen, und nur in seltenen Fällen mathematisch oder technisch anspruchsvolle Berufe, bei denen man schon nach ein paar Jahren Berufserfahrung über 100.000 Euro pro Jahr verdienen kann. Diese Unterschiede schlagen sich dann auch massiv in den durchschnittlichen Verdiensten der Geschlechter wieder.

Welche Gründe kennt ihr noch, die Gehaltsunterschiede zwischen den Geschlechtern erklären könnten?

Datum: Freitag, 13. April 2007 15:49
Themengebiet: Gehalt Trackback: Trackback-URL
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3 Kommentare

  1. 1

    [...] Beschäftigungschancen. Dann darf man sich später nicht darüber beschweren, dass Frauen angeblich weniger als Männer. Immerhin ist Deutschland nicht nur ein Sozialstaat, sondern daneben ebenso eine [...]

  2. 2

    Die Gründe für das niedrigere Durchschnittsgehalt finde ich plausibel. Es gibt solche Gehaltsunterschiede aber nicht nur zwischen den Geschlechtern, sondern auch zwischen Ost und West oder Beamte und Arbeiter bspw. Ich glaube kaum, dass Gerechtigkeit dadurch pauschla erreicht wäre, wenn alle den gleichen Betrag verdienen – unabhängig von der Ausbildung oder der Stundenanzahl. Das mag zwar in “revolutionären” Kreisen erstrebenswert sein, aber gerecht wäre so eine Gesellschaft noch lange nicht.

  3. 3

    100.000 Euro finde ich übertrieben. So viel verdient vielleicht 0,01 % der Leute nach nur ein paar Jahren, aber es ist eben schon ein Unterschied, ob eine Frau nur Verkäuferin wird oder ein mathematisch anspruchsvolles Studium absolviert. Der Gehaltsnachteil – weil viele junge Menschen sich für eine Ausbildung entscheiden, um finanziell unabhängig zu sein – gleicht sich dann so um die 30 schnell für die Uni-Absolventen schnell aus.

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